Baumarktschließungen nehmen zu: Insolvenzfälle machen den Handlungsdruck sichtbar

Die anhaltende Krise im Baumarktsektor trifft zunehmend auch mittelständische Betreiber. Wie angespannt die Lage inzwischen ist, zeigt das Beispiel der Hagebaumarkt Mülheim an der Ruhr GmbH. Für die beiden Standorte in Mülheim und Ratingen hat Geschäftsführer Hartmut Buhren beim zuständigen Amtsgericht Insolvenzantrag gestellt. Der Geschäftsbetrieb läuft zwar vorerst weiter, dennoch sind 75 Mitarbeiter betroffen, wie BaumarktManager berichtete. Was dieser Fall über die aktuelle Situation der Branche aussagt und welche Maßnahmen jetzt nötig sind, um weitere Schließungen zu verhindern, erläutert Dr. Philipp Hoog, Partner bei der BBE Handelsberatung.

Noch im Februar hatte Geschäftsführer Hartmut Buhren von „strukturell hohen Standortkosten“ gesprochen, die man „nicht dauerhaft ausgleichen“ könne. Inzwischen macht er gegenüber der WAZ deutlich, dass vor allem die anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher die Situation verschärft. Viele potenzielle Kunden verschieben geplante Sanierungs- und Modernisierungsvorhaben. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die nach dem Ende des Corona-bedingten DIY-Booms Jahr für Jahr an Dynamik gewonnen hat. Inzwischen verzeichnet die Branche das dritte Minusjahr in Folge.

Gegenüber der WAZ beschreibt Philipp Hoog die Lage der Baumärkte als „regelrechte Belastungsprobe“, insbesondere nach dem Ausnahmeboom in der Pandemiezeit. Zusätzlich wirken sich die Krise im Baugewerbe und die daraus resultierende Konsumzurückhaltung negativ aus. Viele klassische Selbermacher-Tätigkeiten, die sonst im Umfeld von Neubau oder Hauskauf anfallen, entfallen derzeit. Damit bricht den Baumärkten eine zentrale Zielgruppe weg. Hoog spricht in diesem Zusammenhang sogar von einem „Strukturbruch für die Baumärkte“.

Hinzu kommt ein verschärfter Wettbewerb. Discounter wie Aldi, Lidl, Action und JYSK sowie Online-Marktplätze wie Amazon, Temu und andere setzen die Baumärkte zusätzlich unter Druck. Nach Einschätzung von Hoog haben vor allem sehr große Standorte auf der grünen Wiese ohne klares Profil oder besonderes Konzept zunehmend Schwierigkeiten. Wer in wirtschaftlich besseren Jahren nicht in den Onlinehandel, die Modernisierung der Flächen oder neue Angebotsformen investiert habe, spüre diese Versäumnisse jetzt besonders deutlich.

Wege aus der Krise

Philipp Hoog sieht dennoch klare Ansatzpunkte, wie sich Baumärkte aus der aktuellen Lage herausarbeiten können – vorausgesetzt, sie entwickeln ihr Geschäftsmodell konsequent weiter. Entscheidend sind aus seiner Sicht vor allem folgende Hebel:

  • Weg vom reinen „Regal-Füller“ hin zum projektorientierten Problemlöser für Kundinnen und Kunden
    Mehr Spezialisierung statt Austauschbarkeit: klare Profile und kompetente Begleitung bei Renovierungs-, Sanierungs- und Modernisierungsprojekten
    Engere Verzahnung von stationärem Handel, digitalen Angeboten und Services – vom Online-Impuls bis zur begleiteten Umsetzung vor Ort
    Schonungslose Prüfung des Standortportfolios: Welche Märkte modernisiert, verkleinert oder um zusätzliche Konzepte wie Gastronomie, Shop-in-Shop-Lösungen oder frequenzstarke Untermieter ergänzt werden – und welche Standorte konsequent aufgegeben werden müssen

Wer den Wandel zum Projektpartner der Kundinnen und Kunden schafft und gleichzeitig an Standort- und Digitalstrategie arbeitet, kann nach Einschätzung von Philipp Hoog trotz aller Herausforderungen gestärkt aus der Krise hervorgehen.

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