E-Mobilität, ist das die Lösung? / Neue Studie zeigt den Blick von Beschäftigten der Automobilindustrie auf Klimawandel und Verkehrswende

Berlin (ots) - Die Sensibilität für die ökologischen Folgen der Automobilproduktion bei den Beschäftigten der Automobilhersteller und anderer verkehrsmittelproduzierender Unternehmen ist größer als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die Jörn Boewe, Stephan Krull und Johannes Schulten im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung erstellt haben. Grundlage sind 38 Interviews vor allem mit Betriebsratsmitgliedern und gewerkschaftlichen Vertrauensleuten deutscher Automobilhersteller, Zulieferer und anderer verkehrsmittelproduzierender Industriebetriebe.

Im Mittelpunkt standen die Sicht der Befragten auf vier wichtige sozial-ökologische Stellschrauben: die betriebliche Sicht auf den Klimawandel und die Rolle der Automobilindustrie, die sogenannte Abwrackprämie, die Elektromobilität sowie den massiven Ausbau der ÖPNV.

Ohne die Unterstützung derjenigen, die in den klimaschädlichen Industrien arbeiten, ist ein Umsteuern nicht möglich. "Die Ergebnisse der Befragung haben auch uns überrascht: Die Sicht in den Betrieben und gewerkschaftlichen Gremien ist differenzierter, als die durch Gewerkschafts- und Betriebsratsspitzen oder die Regierung geprägte öffentliche Meinung nahelegt", so Jörn Boewe. Belegschaften, Gewerkschaftsmitglieder und ehrenamtliche Funktionär*innen seien keine Bastion einer vorökologischen Industriepolitik. Stephan Krull ergänzt: "Vielmehr finden sich Potenziale und Anknüpfungspunkte für eine sozial-ökologische Mobilitätswende, die sich sowohl in einer weitverbreiteten Sensibilität für die ökologischen Folgen der Automobilproduktion als auch in einer sinkenden Identifikation mit ihren Unternehmen zeigen." Auch die Begeisterung für das Auto als solches habe abgenommen. "Spätestens mit dem Abgasskandal 2015 sind die Unternehmen auch gegenüber den eigenen Beschäftigten in eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise gerutscht", erläutert Johannes Schulten. So habe sich die Mehrheit der Befragten gegen staatliche Kaufanreize, die sogenannte Abwrackprämie, positioniert.

Zugleich werfen die Interviews ein Schlaglicht auf die Hindernisse, die eine Politik für einen sozial-ökologischen Umbau überwinden muss. So gibt es eine verbreitete Skepsis gegenüber "der Politik", einen auch nur halbwegs adäquaten Ausbau des Schienenverkehrs, des ÖPNV oder gar den Aufbau innovativer multimodaler und vernetzter Mobilitätssysteme ernsthaft in Angriff zu nehmen. Verbreitet sind auch berechtigte Befürchtungen, dass eine allein unternehmensseitig vorangetriebene Transformation der Industrie mit einem Abbau von tariflich abgesicherten Arbeitsplätzen sowie einer massiven Prekarisierung und Entqualifizierung der Arbeit einhergehen könnte.

"Der sozial-ökologische Systemwechsel ist ein zentraler Schwerpunkt der Stiftung. Doch Ökologie und Beschäftigung werden in der Debatte oft in einen falschen Gegensatz gebracht", Geschäftsführerin Daniela Trochowski. "Die Ergebnisse der Befragung zeigen, es gibt Ansatzpunkte für einen sozialen wie ökologischen Umbau der Mobilität und der Industrie. Die Beschäftigten sind nicht nur offen dafür, sondern bringen ein enormes Produzentenwissen ein, das für den Umbau unverzichtbar ist."

*Jörn Boewe, Stephan Krull, Johannes Schulten: "E-Mobilität, ist das die Lösung?" Eine Befragung von Beschäftigten zu ihrer Sicht auf den Umbau der Autoindustrie, Juni 2021. Download unter: https://www.rosalux.de/publikation/id/44586

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