Niedrigwasser verteuert Transporte und könnte Baumarktsortimente belasten

Die niedrigen Wasserstände auf Rhein und Donau beeinträchtigen den Transport von Agrarprodukten, Futtermitteln und Mineralölerzeugnissen. Steigende Frachtkosten und geringere Ladekapazitäten könnten sich in den kommenden Wochen auch auf Einkaufspreise, Lieferzeiten und die Verfügbarkeit einzelner Produkte in Bau- und Fachmärkten auswirken.

Frachtschiffe können nur einen Teil ihrer Ladung aufnehmen

Nach Angaben der Agravis Raiffeisen AG können Schiffe am Ober- und Niederrhein derzeit lediglich rund ein Drittel ihrer üblichen Ladungsmenge transportieren. Besonders betroffen sind Ölschrote wie Raps- und Sojaschrot sowie Mineralölprodukte.

Getreide steht dagegen weniger stark im Mittelpunkt der aktuellen Engpässe. Als Gründe nennt Agravis die regionale Versorgung und die Möglichkeit, bestimmte Standorte über Kanäle zu erreichen. Trotzdem bleibt die Lage für die Agrar- und Futtermittelbranche angespannt. Im Baumarktsortiment könnten davon unter anderem Produkte aus den Bereichen Tiernahrung und landwirtschaftlicher Bedarf berührt sein.

Kleinwasserzuschläge treiben die Transportkosten

Die Kosten für Transporte auf dem Rhein sind nach Einschätzung der Agravis-Experten deutlich gestiegen. Reedereien berechnen sogenannte Kleinwasserzuschläge, um die durch die geringere Beladung entstehenden Einnahmeverluste auszugleichen.

Einzelne Frachtraten könnten sich dadurch nahezu verdoppeln. Bei Lieferungen aus den Seehäfen sollen die Transportkosten bereits um 70 bis 80 Prozent gestiegen sein. Zusätzlich belasten höhere Gasölzuschläge die Logistikunternehmen. Deren zugrunde liegender Index hat sich nach Angaben von Agravis zuletzt nochmals spürbar verteuert.

Mehr Schiffe für die gleiche Warenmenge erforderlich

Wegen der begrenzten Abladetiefe werden erheblich mehr Schiffe benötigt, um die gleiche Menge an Waren zu transportieren. Eine vollständige Verlagerung auf den Straßenverkehr ist nach Einschätzung der Experten nicht möglich, weil dafür nicht genügend Lkw und Transportkapazitäten zur Verfügung stehen.

Die Situation kann deshalb nicht nur höhere Kosten verursachen, sondern auch die Lieferzeiten verlängern. Für Bau- und Fachmärkte sind mögliche Auswirkungen vor allem bei schweren oder in großen Mengen transportierten Waren relevant. Dazu zählen beispielsweise Futtermittel, Produkte für den Agrarbedarf sowie bestimmte Öle und Betriebsstoffe.

Preissteigerungen und Lieferverzögerungen sind möglich

Ob und in welchem Umfang die höheren Transport- und Energiekosten an den Handel und anschließend an die Kunden weitergegeben werden, ist derzeit nicht sicher. Mittelfristig könnten sie jedoch die Einkaufspreise erhöhen. Auch regionale Lieferengpässe oder verspätete Nachlieferungen lassen sich insbesondere bei mineralölbasierten Produkten nicht ausschließen.

Darüber hinaus könnten Produkte des Agrar- und Gartenbedarfs betroffen sein, die regelmäßig in größeren Mengen angeliefert werden. Dazu gehören beispielsweise Futtermittel oder Waren, die mit Streuwagen ausgebracht werden, etwa Saatgut und Dünger.

Versorgung bleibt wetterabhängig

Nach derzeitiger Einschätzung von Agravis ist die grundsätzliche Versorgung weiterhin gesichert. Die weitere Entwicklung hängt allerdings stark vom Wetter ab. Eine spürbare Entspannung wird erst erwartet, wenn flächendeckende Niederschläge die Pegelstände von Rhein und Donau wieder anheben.

Bis dahin müssen Handel und Verbraucher mit schwankenden Preisen, längeren Lieferzeiten und punktuell eingeschränkten Verfügbarkeiten rechnen. Eine flächendeckende Warenknappheit lässt sich aus der aktuellen Lage jedoch nicht ableiten.

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