HHG warnt vor wachsendem Kostendruck durch Nahostkonflikt in der DIY-Branche
Obwohl derzeit offiziell eine Waffenpause gilt – mit weiterhin offenem Ausgang –, wirken sich die anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zunehmend auf Hersteller von Bau-, Heimwerker- und Gartenprodukten in der DACH-Region aus. Nach Angaben des Herstellerverbands Haus & Garten (HHG) entwickeln sich vor allem die angespannten Energie-, Rohstoff- und Logistikmärkte immer stärker zu kumulativen Belastungsfaktoren für die heimische DIY-Industrie. Grundlage dieser Einschätzung sind Rückmeldungen aus einer aktuellen Verbandsumfrage.
Diese zeichnen laut HHG ein differenziertes, insgesamt jedoch sehr angespanntes Bild der kurz- und mittelfristigen Kostenentwicklung sowie der zu erwartenden Versorgungslage bei Bau-, Heimwerker- und Gartenmarktprodukten.
Rohstoffe, Energie und Logistik treiben die Kosten
Besonders deutlich zeigen sich die Belastungen laut HHG bei Material- und Rohstoffkosten. Rund zwei Drittel der Mitgliedsunternehmen berichten bereits von spürbaren bis deutlichen Preissteigerungen in einer Größenordnung von 10 bis 20 Prozent. Auch die Fracht- und Logistikkosten entwickeln sich zu einem erheblichen Belastungsfaktor. Bei vielen Unternehmen liegen die Kostensteigerungen ebenfalls bereits zwischen 10 und 20 Prozent. Da Transportkosten bei zahlreichen DIY-Produkten einen hohen Anteil an den Gesamtkosten ausmachen, wirken sich gestiegene Kraftstoffpreise und die eingeschränkte Verfügbarkeit von Frachtraum besonders stark aus. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Energiekosten: Die Mehrheit der Unternehmen meldet steigende Aufwendungen – überwiegend im einstelligen, zunehmend aber auch im zweistelligen Prozentbereich.
Deutliche Ausschläge bei einzelnen Rohstoffen
Bei einzelnen Rohstoffen fallen die Preissteigerungen laut HHG besonders drastisch aus. Zahlreiche Unternehmen berichten bei Aluminium von zweistelligen Anstiegen. Auch bei verbreiteten Kunststoffen wie Polypropylen, Polyethylen und Polystyrol werden Zuwächse von 30 bis 50 Prozent genannt. Besonders auffällig seien jedoch einzelne extreme Ausschläge, so Norbert Lindemann, Geschäftsführer des Herstellerverbands Haus & Garten e.V.: „Einzelne Hersteller melden uns Preissteigerungen von bis zu 250 % bei Hartmetallen, zwischen 50-100% bei mineralischen Ölen und 100 % bei HSS (Hochleistungsschnellstahl). Auch Dämmstoffe und lösemittelbasierte Vorprodukte verzeichnen teils Steigerungen von 60 %. Diese Ausreißer verdeutlichen die Volatilität und damit die Planungsunsicherheit, mit der viele unserer Unternehmen aktuell konfrontiert sind. Solche Preissteigerungen lassen sich zudem oftmals nicht allein durch dem Nahostkonflikt erklären. Wir appellieren daher an die großen Rohstofflieferanten, in der aktuellen Lage von unverhältnismäßigen Erhöhungen mit spekulativen Sicherheitsaufschlägen abzusehen, um die Vielfalt der DIY-Produkte und stabile Abnehmerbeziehungen auch künftig nicht zu gefährden.“
Warenverfügbarkeit aktuell noch stabil
Trotz der steigenden Kosten bewerten die meisten Unternehmen die aktuelle Warenverfügbarkeit laut HHG noch als gut. Größere Engpässe seien derzeit eher die Ausnahme. Für die kommenden Monate fällt der Ausblick jedoch vorsichtiger aus: Ein wachsender Teil der Unternehmen rechnet mit spürbaren Einschränkungen, einzelne sogar bereits mit erheblichen Engpässen – abhängig vom weiteren Verlauf der geopolitischen Lage sowie der Entwicklung an Energie- und Transportmärkten.
„Entscheidend wird sein, wie lange die geopolitischen Spannungen anhalten und ob es gelingt, zusätzliche Belastungen in den Lieferketten zu begrenzen. Unsere Unternehmen brauchen jetzt verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, um weiterhin zu investieren und den Markt zuverlässig versorgen zu können. Gleichzeitig wird die DIY-Industrie Ihrerseits alles tun, um die ausreichende Warenverfügbarkeit sicherzustellen“, so Norbert Lindemann.